Dienstag, 6. September 2011

Bon Courage - Paris Brest Paris 2011

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Vorabversion: Es folgen noch weitere Bilder und Textergänzungen. Trotzdem schon mal viel Spaß.



Vom Eifelturm in Paris zum Leuchtturm in Brest und zurück. 1230km, 11.000hm, Tränen, Glücksgefühle, 2 Freunde 80 Stunden auf dem Rad


Prolog
Vom 21.08.2011 bis zum 25.08.2011 fand der traditionsreiche Radmarathon „Paris-Brest-Paris“ in Frankreich in der 17ten Auflage statt, im Nachgang nur noch „PBP“ genannt. Die Fahrt findet seit 1891 statt und dann im 10-Jahresrhytmus, seit den 70er Jahren im 4 Jahres Rhythmus. PBP ist kein Rennen sondern ein „Brevet“, eine Prüfung für Körper und Geist. In erster Linie gilt ein Ankommen in der maximalen Zeit von 90 Stunden als Erfolg, um diesen Gedanken zu unterstreichen werten die Offiziellen Fahrer mit einer Zeit UNTER 45h nicht. Erfreulicherweise war von Beginn an eine schnelle Fahrt explizit nicht Gegenstand unserer Überlegungen. Finishen, egal wie lautete unsere Devise.
Um Teilnehmer auf die Fahrt adequat vorzubereiten haben die Veranstalter eine Hürde eingebaut. Im Jahr der Austragung muß der Ausflugsradfahrer Willen beweisen und eine Serie von Brevets in aufsteigender Reihenfolge bestreiten: 200-300-400-600 km. Ohne die „Serie“ geht nichts. Anschließend bekommt man rund 6 Wochen vor Start das offizielle OK der Veranstalter aus Paris.
Um PBP ranken sich wahre Mythen. Von Regenschlachten bis zu Hitzewochen war alles bereits vertreten. Die Eckdaten haben sich in den letzten Jahrzehnten jedoch wenig verändert: 1230km , ca. 11.000 Höhenmeter und 90 Stunden Zeit. Ob, wann und wo man rastet ist einem vollkommen selber überlassen. Als weitere Schwierigkeiten von PBP sind zum Teil sehr raue Straßenbelage und stetiger Wind zu nennen, der in Atlantiknähe schon mal heftig ausfallen kann. Um PBP in der Maximalzeit abschließen zu wollen ist es daher unerlässlich, die eigene Komfortzone zu verlassen und Dinge wie 8 Stunden Schlaf pro Tag kurzfristig zu vergessen.
Simon und ich haben und vor rund 15 Monaten entschlossen, PBP zu fahren. Eine sehr penible und zeitintensive Vorbereitung im Rahmen unser Möglichkeiten bestimmte an vielen Stellen unseren Alltag. Die Erfahrungen der bereits abgefahrenen Brevets der Vorbereitung können an dieser Stelle nachlesen. Ach ja…die wichtigste Vokabel: Randonneur=Langstreckenradfahrer…und…wer Rechtsschreibfehler findet..bitte behalten…



Anreise
Zeitig vor dem Trip habe ich in Hannover bei Wohnmobile Bieger, einem ADAC Partner ein Wohnmobil reserviert. Unser Team für PBP bestand aus 2 Fahrern und 2 Supportern, die uns auf der Strecke an den Kontrollstationen einen Hauch von Komfort, Verpflegung und Unterstützung bieten sollten. Nach kurzer Begrüßung durch einen Mitarbeiter kam gleich die erste dolle Überraschung
„Ich weiß nicht, ob man Sie bereits angerufen hat, aber Ihr Wohnmobil ist noch nicht da. Aber morgen ist es da, und dann können Sie starten“. Offensichtlich war dies ein Test, denn entgegen meinem manchmal impulsiven Naturell verkniff ich mir eine erste lautstarke Reaktion oder gar Handgreiflichkeiten. Soviel Geduld wurde umgehend belohnt als er ausführte „Natürlich haben wir Ersatz für Sie, die €800 Mehrpreis brauchen Sie nicht zu bezahlen, denn schließlich haben Sie nichts zu verantworten“. Guter Mann, mit offenem Mund starre ich auf ein MONSTER von Motorhome, volle 8 Meter lang und nach Bekunden des Mitarbeiters rund 80.000€ teuer.

Unser Home für die nächsten Tage und Rückzugsort.

Trotz der gewaltigen Dimensionen fuhr sich dieses Gefährt erstaunlich handlich und war mit knapp 200PS auch bestens motorisiert. Unglaublich! Nach Übernahme des Gefährtes haben wir binnen 30 Minuten geladen und gepackt. Auf die 3-Seitige Liste an diversen Fahrrädern, Laufrädern, Ausrüstungsgegenständen und KISTEN an Sportlernahrung=Astronautennahrung=Brechreiz verzichten wir an dieser Stelle. 




Motor anwerfen und dann westwärts. Bereits nach wenigen Minuten mit passender Beschallung macht sich „PBP Feeling“ breit. Wir fahren in die untergehende Sonne Richung Westen und nach erfreulich erlebnisarmer Fahrt über Einhoven, Gent, Antwerpen und Lille machen wir in Nordfrankreich eine kurze Pause. Dann übernahm Lena das Steuer um sich etwas mit franzöischen Interpretation des „reibungslosen Straßenverkehrs“ anzufreunden.


Auch diese Prüfung durch die Vororte von Paris meisterten wir. Ein Schild „maximale Höhe 2.00m“ verwehrte uns leider 10km vor dem Ziel die Weiterfahrt. Dank Kartenmaterial und Apple Produkten ( say Yes we can) ein leichte Übung, das Monster quer durch Versailles zu lotsen.


In Paris
Es ging direkt auf den Campingplatz „Huttopia“. Schon im Internet las sich das Ganze beeindruckend und ich fand mehrere Hinweise wie „ Treffpunkt der Randonneure aus aller Welt“ etc. Kurz eingescheckt, Wohnmobil geparkt und schauen „stimmt das“….Es stimmte! Treffpunkt war eher eine milde Untertreibung. Wir waren im Epizentrum. Ich sehe überall Fahnen verschiedener Länder und zum Teil atemberaubende Räder. Alle wollen nur das Eine: PBP! Binnen Sekunden stellt sich diese „gute Gefühl“ ein. Jeder ist wirklich gut gelaunt und wir treffen schnell Mitfahrer von den gefahrenen Brevets.  Jeder trägt stolz sein „Nationaltrikot“, welches sich diejenigen verdient haben, die im Vorbereitungsjahr die eingangs beschriebene Serie gefahren sind.

Wir sind mehr als bereit





Neben unserem Wohmobil unterhält Pepe aus Spanien eine ganze Meute verrückter Katalanen und ist in der Vorbereitung einer großen Paella vertieft. 2m Durchmesser auf dem Gasbrenner, Carboloading auf spanisch. Ich steuere ihn zielstrebig an, 20 Augenpaare mustern mich und warten auf die „Ansage“. Ich schmettere ein bierbeseeltes „buenas tardes“ in die Menge und sofort freuen sich die Iberer, dass ich den Unterschied zwischen buenas dias und buenas kenne und prosten mir zu. Schnell vereinbaren wir, nach einem etwaigen finish den Trikottausch. Für diese Eventualitäten habe ich mich beim Veranstalter extra mit einem paar extra Trikots eingedeckt.
Am Nachmittag begannen wir unserer Räder für unser eingentliches Anliegen aufzubauen. Für alle Technikverliebten: Scott Addict CR1 SL 2010 RH52, Compact 50/34 mit 12-27 Ritzel, Rotorkurbel mit power2max Leistungsmesser, Mavic Cosmic Elite LRS mit 23er Conti 4000GP, Garmin Edge 800, Busch und Müller Ixo / Cyco mit seperatem Akku. Zwillingsflascherhalter hinter dem Sattel, ein Getränkehalter Unterrohr und eine Rahmendreieckstasche für das notwendige Ersatzmaterial auf der Strecke. Simon: Canyon F10 Ultimate, Mavic Kysrium Elite, ebenfalls Compact Kurbel mit Leistungsmesser, Garmin Edge. Simon hatte zusätzlich eine Gepächtasche mit Sattelstützenhalterung montiert, um etwas mehr mitzunehmen als ich. ( Werkzeug, Kettennieter, Ersatzkette etc.)




Gegen 16.00 Uhr fuhren wir dann mit dem Velo in den Start / Zielbereich, welcher rund 10km vom Campingplatz entfernt lag. Auf der Strecke weitere zahllose Radfahrer, augenscheinlich mit gleichem Ziel. Nach einer schönen Fahrt, direkt an der Schloßanlage von Versailles vorbei treffen wir ein. Ein Wirrwarr aus Radfahrern breitet sich vor uns aus, Wortfetzen verschiedener Sprache werden aufgeschnappt. Unglaublich. Natürlich lassen wir uns vor dem Eingang noch mal ablichten und führen dann unsere Räder der Kommission vor. Die prüft penibel jedes Gefährt und nach einigen Handgriffen drückt mir der Offizielle den Stempel in meine Unterlagen. 



Nun die begehrte Rahmennummer und weitere Unterlagen in Empfang nehmen. Dies geschah in einer sehr großen Sporthalle, an den Wänden hängen alle erdenklichen Nationenflaggen teilnehmender Länder. Überall helfende Händer und Dolmetscher, die Teilnehmern unterstützen sich zu orintieren. Hier bekommt man einen ersten Eindruck welche Güte die Organisation dieser Veranstaltung aufweist: es läuft wie geschmiert und nach weiteren 5 Minuten könnten wir eigentlich starten.
Alle deutschen Teilnehmer haben sich für ein gemeinsames Gruppenfoto gegen 17.00 Uhr verabredet. Man stellt nach Frankreich die Nation mit den meisten Teilnehmern, aufgrund des hohen Wechselkurses sind offentlichsichtlich einige Amerikaner nicht angetreten und das ursprünglich Kontingent der deutschen Teilnehmer erhöhte sich von 388 auf 450. Hier brannte dann das nächste Highlight ab: Der älteste Teilnehmer der deutschen Fraktion schnappt sich ein Megaphon und feuert die Menge an.
„Manche Menschen fahren in Amerika 4800km. Ihr nur 1200km. Freut Euch!“
„Seid Teil einer unvergesslichen Veranstaltung mit tollen Momenten und Freundschaften aus der ganzen Welt. Freut Euch!“
„Ihr bewahrt eine über hundertjährige Tradition und führt sie fort. Freut Euch!“
„Freut Euch! Wir sind in Paris, jetzt fahren wir nach Brest und dann fahren wir wieder nach Paris. Freut Euch!“
Nach soviel Freude brandet Applaus auf, der Kollege zählt 80 Jahre! Ich freute mich auch, hielt die Freude in Zaum, viel lieber wollte ich im Ziel 4 Tage später den Leuten demonstrieren, wie lautstark ich „ja“ schreien kann.



Henkersmahlzeit und Augalopp der Rennpferde
Wieder zurück zum Huttopia Campingplatz. Unsere PBP Truppe vereint sich mit anderen Fahrern und wir verzehren die wirklich hervorragenden Pizzen des angeschlossenen Restaurants. Herrlich, Langstreckenfahrer brauchen auf Ihre Figur bei einer solchen Veranstaltung nicht zu achten. Man kann ESSEN soviel man will und was man will. Ganz wunderbar. Zwischenzeitlich gibt uns Uwe Krohne aus Grosswieden die letzten wichtigen Tipps. Uwe ist Veranstalter von Brevets, sein Standort im Weserbergland ist wie geschaffen, sich die notwendige HÄRTE für PBP zu holen. Ohne Uwe gäbe es für Simon und mich kein PBP. Uwe, Danke dafür.
Um die Pizzen runterzuspülen gönnen wir uns noch ein paar Bier und gehen zeitig ins Bett. Am nächsten Morgen wiederholt sich das Spielchen. Essen, Essen, Essen. Mittlerweile ist es 13.00 Uhr und die Hitze in Paris wird durch die große Schwüle unangenehm. Wir versuchen, soviel wie möglich zu ruhen und zu schlafen, es wird durch die Nervosität stetig schwieriger.
Gegen 15.00 Uhr fahren wir in den Startbereich. Wieder Volksfeststimmung. Tausende Radfahrer, Zehntausende Zuschauer. Mit großem Applaus wird die Startergruppe „16.00 Uhr“ auf die Piste geschickt. Die dürfen zwei Stunden vor der großen Meute startet, müssen jedoch nach 80 Stunden und nicht 90 Stunden in Paris sein. Ein weitere Startzeit stellt der sehr frühe Montag morgen dar, auch hier gilt: Nicht 90 Stunden sondern in diesem Fall 84h. Das Gros der Teilnehmer wählt die 90h Version und startet ab 18.00 Uhr, ca. 3500 Fahrer. Bereits gegen 16.30 Uhr ist das Stadion gut gefüllt und wir stehen Rad and Rad, eng wie in einer Sardinenbüchse. Das Thermometer zeigt 34Grad. Eigentlich wollte ich meine Trinkvorräte nicht schon VOR dem Start leeren. Wir warten endlose Minuten, dann Bewegung. Die ersten 500 Fahrer gehen auf die Piste. Wir rücken vor. Die nächsten 500, und weiter geht´s. Wir stoppen wenige Meter davor, somit sind wir gleich „vorne“ und brauchen uns nicht hinten am Feld aufzuhalten. Die Meute wird immer unruhiger, hier am Schuh gewerkelt, dort am Trikot gezupft. Endlich, die Offiziellen öffnen die Schranke und wir fahren in den Kreisverkehr vor den Startbogen. Der Sprecher der Tour de France peitscht die Fahrer und Zuschauer an, dann beginnt das Runterzählen. „Zero“. Hundertfach wird in die Pedale geklickt. Die Mission beginnt.



Stage 1 Paris-Villaines
Die ersten Kilometer beginnen neutralisiert mit einer Polizeieskorte vor Kopf, die das Feld aus Versailles hinausführt. Ich beginne bereits Fahrer zu überholen, mit Simon im Schlepp positionieren wir uns weit vorne. Nach rund 10km scheren die Motorräder aus. Erfreulicherweise ist es keine galoppierende Büffelherde, die ungestüm loslegt sondern langsam aber stetig Fahrt aufnimmt. Mit kurzen Schulterblicken registriere ich Simon, der sich ebenfalls durch das Feld bewegt, der Tacho zeigt 35 km/h, 200Watt. Alles OK. Sämtliche Fahrten seit Anfang des Jahres bestreiten wir mit einem Leistungsmesser ( Power2max). Geschwindigkeit und Puls sind sicherlich Indikatoren für das Befinden aber es ist bei diesen Distanzen jedoch sehr wichtig, eine KONSTANTE Leistung abzuliefern. Geringe Steigungen oder Wind von vorne treiben den Wattmesser schnell nach oben, die körperliche Anstrengung, dieses zu verarbeiten setzt erst Minuten später ein. Um unsere wertvollen Kohlehydratspeicher bestmöglichst zu schonen fahren wir stetig und konsequent im Grundlagenbereich des Ausdauersportes, in der die Verstoffwechselung von Fett am effektivsten abläuft. Das bedeutet bei mir: rd. 160W und bei Simon rd. 190W im Schnitt.
Die ersten 70-80km vergehen wie im Flug und im Westen senkt sich die Sonne. Was für ein schönes Bild, die Landschaft in dieser Gegend hat ganz leichte Wellen, der Asphalt ist glatt. Langsam schalten die Fahrer Ihre Lichteinheiten ein. Alles ist vertreten, vom 4 Fach LED Werfer bis zum Leuchtstab. Wir setzen auf Lichttechnik von Busch und Müller. Bergan und in der Ebene dimmen wir die Lichtstärke etwas ab, man sieht genug und es spart den so wertvollen Strom. Geht es schnell bergab wird auf volle Leistung hochgeschaltet.

und wieder wird mal klar warum Langdistanzen so großartig sind....


In Mortagne au perche erreichen wir nach rund 140km und 950hm die erste Verpflegungsstation. Die erste kleine Etappe haben wir mit einem 28er Schnitt abgeliefert und uns bereits ein ordentlich Polster eingefahren. So kann es weitergehen. Wir entscheiden, nicht übermütig zu werden und legen eine Rast ein. In der Halle herrscht reges Treiben, wir schaufeln einen Teller Nudeln in uns hinein, registrieren jedoch bereits erste Köpfe, die auf den Tischen liegen. Müdigkeit nach nur 5 Stunden? Nun ja, die Konsorten werden es schwer haben, wenn es jetzt schon so losgeht.



Weiter auf die Strecke, kurz warmgefahren und Fahrt aufnehmen. Es ist mittlerweile Mitternacht und die Landschaft wird welliger. Für die nächsten 80km stehen wieder 600 Höhenmeter auf dem Programm. Nun sehe ich ihn, den unglaublichen roten Lindwurm an Rücklichtern. Er schlängelt sich BIS ZUM Horizont und weiter. Ein bizarrer Anblick, ich bekomme wahre Gänsehaut. Immer noch laufen alle Systeme rund und wir kommen gut voran. Nachts steigt die Konzentration noch einmal an, man muss wirklich jeden Moment HELLWACH sein. Besonders asiatische Piloten neigen zu total unberechenbaren Manövern, außerdem fahren diese Kollegen nachts 10cm auf das Hinterrad auf. Japaner erkennt man an excellenten Material und gigantischer Lichttechnik, das ist in der Dunkelheit zugleich ein Segen. Sehr wortkarg fahren Sie auf der Strecke, ihre Miene hellt jedoch spürbar auf wenn man Ihnen ein herzlichen Kan Pai ( japanisch: Prost) entgegnet.
Die Kollegen aus Taiwan sind ein anderer Schlag. Alle Piloten tragen auf den vorgeschriebenen gelben Reflexwesten Ihre Nationalflage. Viele Piloten fahren hinten mit Schutzblech, dort haben die Strategen in fluoziernden Schrift „Taiwan“ geschrieben.

Alles dabei: Randonneure mit Tannenbaum auf dem Helm
Liegeräder






















und vollverkleidete Raketen

selbstgebasteltes Carbon
Der Morgen bricht an, die ersten 220km liegen hinter uns. Es ist etwas kühler als bei Abfahrt in Paris, die Wolken nehmen zu. Es bleibt aber nach wie vor trocken. Wir laufen ins Villaines La Juhel ein, es ist früh am Morgen, aber Volksfeststimmung. Schnell holen wir unseren Zeitstempel ab und suchen Lena und Timon vom Support Team auf. Etwas müde fallen wir in die Sessel um umgehend zum nächsten wichtigen Teil von PBP überzugehen: Essen Essen Essen. Ich schiebe 2 Baguettes mit deftigem Rilette Aufschnitt unnd Käse in mich hinein, zwei Äpfel, eine halbe Tafel Schokolade.

Herje, das deckt ja die verbrauchten Kalorien nur zur Hälfe. Umschwenken auf Astronauten Nahrung. Die schmeckt leider nicht soo doll aber es geht. Ich stopfe zwei Beutel „Power Bar Ride Shots“ in mich hinein. Unsere Nahrungsergänzung wurde durch die Unterstützung von meinem Freund Achim Linsser aus Düsseldorf größtenteils realisiert. Weils so schön ist, ein weiteren Powerbar Riegel hinterher. Ein kleiner Powernap von 20minuten bringt uns wieder auf Betriebstemperatur. Schlafen? Fehlanzeige.

Wir wollen erst bei KM 550 in Carhaix richtig die Augen zu machen, bis dahin sollte viel passieren.





Stage 2
Villaines-Carhaix
Nach gut 2h Pause starten wir wieder mit einer Gruppe um weitere 140km hinter uns zu bringen. Wir wollen gegen Mittag in Tinteniac sein um dann gut gestärkt die verbliebenen Kilometer am Abend Richtung Carhaix zu meistern. Die erste Nachtfahrt hat zugleich das große Feld zerpflückt und auf der Strecke bilden sich Gruppen von 10-20 Fahrern aller Nationen. Zeit, sich auf der Strecke den amerikanischen Mitfahrern zu widmen. Die sind leicht auszumachen, alle Räder sind mit einem Schild „US Randonneur“ gekennzeichnet und die Fahrer wählen sowohl bei Material wie auch Kleidung tendenziell den Nostalgieansatz. Unsereins bewegt sich mit Windstopper-Goretex-Anti Schwitz etc Bekleidung, die Seattle Randonneurs schwören durchweg auf Merino Feinripp mit gestrickten Bündchen. Da die Burschen per se kontaktfreudig sind gelingt auch hier schnell eine Gruppenbildung und man fährt Kilometer um Kilometer zusammen.


Amerikanische Nostalgie mit Feinripp. Who is the old Country?




Die Kontrollstelle in Tinteniac ist schnell abgehandelt, Stempel holen, Essen. Wir schaufeln uns 500gr Dinkel-Nudeln in den Körper. Mittlerweile zeigt der Tacho deutlich über 350km. Um im Sattel zu bleiben creme ich Gesäß üppig mit Ilon ein. Dieses tolle Produkt löste seit einigen Monaten die alte Elite Creme ab, die ich bisher einsetzte. Die etwas zähere Konsistenz ist für lange Belastungen einfach besser. Auf der Fahrt haben wir zwei Tuben verarmet.

Nächtliches Carboloading


Ein kurzer Powernapp von 20 Minuten und einen starken Kaffee, als „Nachtisch“ wieder 2 Tüten Powerbar Ride Shots. Ein Blick in den Himmel und der Informationsaustausch mit der Heimat deutet jedoch Probleme an, wir werden naß. OK, man soll sich als Randonneur auf alles einstellen. Daher packe ich für die nächste Etappe nach Carhaix die Löffler Colibri, besser bekannt als „Ölzeug“ oder „Südwester“ ein. Man weiß ja nie, wie es endet. Nach 2h Pause machen wir uns wieder auf den Weg. Die 400km fallen. Jetzt irgendwie noch 150km bis Carhaix. Es melden sich erste Probleme im Sitzbereich und auch die Fitness ist etwas angeschlagen. Mittleweile nimmt das Höhenprofil an Welligkeit deutlich zu und unser guter Schnitt beginnt langsam zu sinken.


die Straße zieht sich unendlich hin...
...und immer weiter...
...und kein Ende...



OK, immer noch kein Problem. Hinter der Kontrolle von Loudeac geht es los, es wird dunkel aber Blitze im Westen erhellen die Nacht. Je mehr wir nach Westen vordringen, desto zahlreicher werden sie, mittlerweile kündigt ein permantes Grollen erbarmungslos die Unwetterfront an. Nach dem Kampf gegen Müdigkeit und Erschöpfung betritt ein neuer Spieler das Feld. Das Wetter. 2007 war es mit dafür verantwortlich, daß rund 1/3 der Starter vorzeitig die Brocken hingeworfen haben. Erste Tropfen bei hoher Luftfeuchtigkeit deuten das Unheil an. Sofort reagieren wir und winken einen Trupp von 10 Fahrern auf den Seitenstreifen. Ich versuche in einem Kauderwelsch aus Französisch, Englisch, Spanisch, Nederlands sowie Gebärdensprache allen zu signalisieren: Zusammenbleiben, Konvoi fahren, alles geben. Es gießt in KÜBELN. Wir fahren bis zur nächsten Verpflegung in Saint Nicolas. Hier  können Simon und ich jedoch nicht rasten, wir wollen und müssen nach Carhaix. Das sehen ein paar andere Fahrer ebenfalls so und wir fahren umgehend weiter. In der Ferne verschwindet die verführerisch warme Turnhalle mit duftenden Crepes und Kaffee. Das Wasser steht bereits in meinen Schuhen, mein Radcomputer der Firma Garmin „säuft“ ab und eine halbe Stunde später fällt mir auch noch mein Hauptlicht aus. Alle Fahrer müssen mittlerweile Ihre Brillen abnehmen, da man auch nichts mehr sieht.  Meine Stimmung ist zum ersten Mal am totalen Tiefpunkt angelangt. Da bin ich nicht gerade gut gelaunt und lasse das die Leute nachhaltig spüren. Mich beschleicht langsam das Gefühl, daß diese Etappe viel entscheiden wird. Simon kommentiert die Situation hanseatisch kurz und knapp „wir wussten dass es hart wird“. Nicht gerade hilfreich für jemanden, der mit den Nerven blank gezogen hat. Nach einer gefühlten Endlosigkeit beende ich die Schmollerei und arbeite mit Simon am Plan B, wenn wir Carhaix erreichen. Mittlerweile hinter uns und vor uns kein anderer Teilnehmer.  Nach einer fünfstündigen Regenfahrt nimmt langsam der Niederschlag ab und unsere Laune steigt. In Carhaix angekommen reichen wir die Stempel vor, die Kontrolle sieht aus wie Dresden 1945. Die Leute liegen verstreut in voller Montur auf dem Boden und schlafen. Ja, schlafen, nur noch schlafen, nie mehr aufwachen. Wir werfen wieder Unmengen an Nahrung ein und beginnen mit dem Plan B: Lange Schlafpause und mit neuen Kräften weiter. Es dauert ca. 2 minuten, dann bin ich weg. Ebenfalls in voller Montur, herbe Duftnote inklusive.

Randonneure dahingerafft


Stage 3 Carhaix-Brest-Carhaix
Wir vereinbarten vor den süßen Träumen 3 Stunden zu Schlafen und 1h ganz langsam aufzustehen und sich für die nächste Etappe einzustimmen. Nach genau 3 Stunden weckt mich  leiser Chorgesang der Band „Scala“. Wie herrlich, der Refrain des Liedes „wie weit wirst du gehen“…welche Symbolik in diesen Zeilen. Ich vernehme kein weiteres Geräusch, sofort bin ich hellwach, schaue in den Himmel. Kein Regen, kein Regen. Schnell mit der Heimat Kontakt aufgenommen: Ja, Gewitterfront zieht nach Nord-Ost ab, freie Fahrt, nur noch sporadische Niederschläge. Schlagartig verbreite ich gute Stimmung und stecke jeden an, ich gönne mir als Highlight eine warme Dusche und steige frisch abgeschmiert in die Assos Hose. Trotz intensiver Pflege…die letzte Nacht hat ihren Tribut gefordert, leicht pessimistisch entdecke ich wund gescheuerte Stellen. Eine extra Schicht „ILON“ muss es richten.  Für die 93km bis Brest haben die Veranstalter weiter 740hm eingebaut, keine großen Steigungen, immer wieder Wellen. Wir passieren den höchsten Punkt der Strecke, den Roc Trevezel. Unter uns im Westen die Bretagne, man riecht bereits den Atlantik. Die Aussicht, bald „Halbzeit“ zu haben mobilisiert Kräfte. Mittlerweile fällt mir das Sitzen sehr schwer, bei den Steigungen bin ich froh im Wiegetritt für Entlastung zu sorgen. Bergab geht es stetig nach Brest, ich nutze jeden mm der Straße und fahre die Rampen konsequent mit Unterlenker maximal gebeugt. Die letzten Kilometer in Brest ziehen sich und nach gut 4 Stunden kommt endlich die Spannbrücke über den Kanal in Sicht.




Unser ständiger Begleiter hin....
....und nun wieder zurück





Randonneure sind hungrig...
Der Tacho zeigt 615km. Ich verscheuche die Dämone im Kopf die soufflieren „jetzt noch mal 600km“ sondern freue mich, daß es endlich „nach Hause“ geht. In Brest stempeln wir und fahren zügig weiter. Am Ortsausgang signalisieren Fahrräder an einer Pizzaria: Carboloading. Wir haben mittlerweile 36 Stunden auf der Uhr, der Hunger treibt uns aber rein und wir gönnen uns eine sehr wohlschmeckende Pizza. Die war auch notwendig, denn wir müssen nach der Pause in Carhaix ca. 20h im Sattel sitzen um Strecke gut zu machen.
Auf der Rückfahrt nach Carhaix steigt in mir wieder Müdigkeit und Schmerzen. Auf den Wegschildern steht zwar „Paris“ doch der Weg ist noch weit. Da wir fast 80km bis zu nächsten Kontrolle haben nehme ich kurzerhand den Medical Service selber in Hand und werfe mir eine Ibuprofen 800 ( „Vitamin I“) und eine Coffeinum 20 ( „Hallo Wach“) ein. Beide Präperate stehen nicht auf der roten Liste, die Abgabe ist bei den Randonneuren aber umstritten. „Nur wenn nichts mehr geht“. Bei mir geht „nichts mehr“ und 10 Minuten später wieder eine Menge. Simon fährt zum Wasserlassen an den Rad, ich beschließe die Form zu nutzen und starte einen wütenden Ritt auf den Berg. Ich kassiere Fahrer um Fahrer wie Lance 1999. Alles mit dem großen Blatt. Oben am Trevezel bemühe ich die Fremdsprachen erneut und schlage einer Gruppe von ca. 10 Leuten vor, dass zunächst ich 20km im Wind den Domestiken mache und wir dann im Belgischen Kreisel nach Carhaix fahren. Die Allianz auf Zeit gelingt und bereits gegen 16.00 Uhr bin ich in Carhaix, Simon folgt gut 20min später, auch er ist gut über die Piste gekommen.



Stage 4 Carhaix-Mortage au perche und der tanzende Marrokaner
Auf der Strecke nach Carhaix treffen wir den Bremer Randonneur Carsten. Er schleppt sich bereits seit 300km mit einer gebrochenen Speiche (!) durch die Gegend. OK, die erste gute Tat des Tages gehöhrt ihm. Ich drücke ihm einen Ersatzlaufradsatz in die Hand mit der Bitte, diesen beim Materialservice mit der Schaltung einstellen zu lassen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er lediglich 2 Stunden geschlafen und war sichtlich mitgenommen. Nun hellten wir seine Miene auf. Freundschaftlich verabschiedet setzen wir unsere Reise fort.
Es folgte nun der härteste Abschnitt, bereits Timon fragte uns „ und Ihr wollt wirklich 380km fahren“….. Wir wollen nicht, wir müssen. Wir treten relativ ergebnisarm weitere 4 Stunden weg und sind nun in der nächsten Nacht. Mittlweile machen sich im Feld erste Auflösungserscheinungen bemerkbar. Alle 10km liegt ein Fahrer in voller Montur im Gras, alle Lampen am Rad an und schläft. Je weiter wir nach Osten fahren, desto zahlreicher werden die „Gestrandeten“, es sollte an Dramatik und Tragik noch weiter zunehmen.

egal wo...

...dringende Pause

...in Notdecken dahin gerafft.

...dringend ungeplante Pause.

...egal wie, wo und auch mit welchem Untergrund


Hinter der Kontrolle Loudeac übernimmt Simon die Führung und wir passieren zahllose Dörfer. Es tut gut, nach Stunden der Dunkelheit wieder Zivilisation vorzufinden. Simon stoppt abrupt. Ich komme zum ebenfalls zum Stehen. Im Vorfeld habe ich über PBP auch Berichte über nächtliche Halluzinationen zur Kenntnis genommen. Was wir nun sahen übertraff unsere kühnsten Vermutungen. Vor uns tanzt ein marrokanischer Randonneur in voller Montur im Kreis und singt arabische Lieder. Die Augen weit aufgerissen, Speichel läuft an seinen Mundewinkel, Rad liegt auf der Straße. Das Ganze auf der Fahrbahn des Gegenverkehrs. OK, zwar trifft man um 03.30 wenig Autoverkehr, aber der Mann atmete sehr dünne Luft. Wir bewegen Ihn, das Tänzchen doch bitte einzustellen oder es zumindestens am Straßenrand zu vollziehen. Er folgt unserem Rat, bedankt sich artig. Bei späteren Kontrollstellen haben wir ihn nicht mehr zu Gesicht bekommen.
Unser Bruttoschnitt sinkt weiter und langsam kommen wieder Zweifel auf. Ich signalisiere Simon, daß ich nicht schneller kann, beide Knie durch den permaneten Wiegetritt senden starke Schmerzen und im Sitzen kann ich nur noch berab fahren. Um nicht weiter in Zeitprobleme zu kommen legen wir bei zwei Kontrollen nur noch den Stempelschein vor und verpflegen uns mit Astronautennahrung.
Mittlerweile ist es später Nachmittag und wir rollen in Villaines ein. Wir lassen uns von der guten Stimmung anstecken und nehmen erst einmal einen guten Kaffee und 4 Croissants. Ich beschließe den Medical Service aufzusuchen. Da hier franzöische Fachausdrücke für Gesäßschmerzen Fehlanzeige sind erledigte dies Gebärdensprache. Eine freundliche WEIBLICHE Arztkraft deutet mir an „blank“ zu ziehen. Die Dame zeigt auf einen großen Berg Mullbinden mit roten und gelben Farbflecken, offensichtlich Ihr Tagesgeschäft. Also Attacke, nach 10 Minuten Behandlung werde ich komplett mit einer Gaze mit Schaumstoffunterstützung „abgeklebt“. Bereits beim Tasten spüre ich federnde Wirkung. OK, wenn es das sein muß um nach Paris zu kommen, so soll es geschehen. Ich setze mich auf mein Rad und warte gespannt auf den Schmerzreflex. Oh ja, spürbar weniger und Optimismus macht sich breit. Das wird auch unterstützt durch die Kilometeranzeige. Über 1000km stehen auf der Uhr. Wir bedauern Villaines verlassen zu müssen, denn die Uhr zwingt uns zu weiteren Schritten.


...es ist dem nichts hinzuzufügen


Bereits einige Kilometer später fahre ich wie ausgewechselt und das nun anspruchsvollere Profil mit einigen Steigungen macht mir nichts aus. Sofort steigt unser Bruttoschnitt wieder an. Geht das noch was? Ein Blick auf die Uhr: in 4 Stunden sind wir in Mortage au perche, kein Problem, dort wieder mal etwas schlafen, sich belohnen für die Mammutetappe. Das Spielchen hatten wir ja schon in Carhaix einmal, es sollte doch 160km VOR Paris noch besser funktionieren.
Stage 5 Mortage au Perche-Paris
In voller Montur falle ich gegen 01.00 Uhr ins Bett. Wir haben uns verständigt, 2 Stunden zu schlafen und 1 Stunde noch einmal üppig und ausgiebig zu frühstücken. Somit Start gegen 04.00 Uhr früh. Nach der langen Etappe von 380km schlafe ich sofort ein und natürlich ist der Schlaf zu kurz. Aber, ich merke auch wie schnell sich der eigene Körper auf den mittlerweile chronischen Schlafmangel einstellt und dass 2 Stunden sehr viel bringen. Diesmal erfolgt kein sanftes Wecken, Timon rüttelt mich aus dem Schlaf und kündigt „special guests“ an. Im ersten Augenblick denke ich an einen der zig Randonneure, der vorsichtig um Fahrgemeinschaft bittet um sich die Arbeit auf der Streck zu teilen. Ich erblicke meinen Freund Wolfram „Wolle“ und seine Frau Sunna und reime mir in Sekundenbruchteilen zusammen, daß sie die Nacht 800km im Auto durchgefahren sind um uns zu sehen. Ich ringe mit Worten und finde keine. Fast beschähmt nehme ich ihn in den Arm, denn ich weiß, daß er nur einige Stunden später wieder nach Hause fahren muss um berufliche Projekte zu bearbeiten. Welch Ode an die Freundschaft mitten unter hunderten, nein Tausenden Radfahrern, die sich mittlerweile einfinden. Natürlich durchflutet mich und Simon neue Kräfte, der auch schwer von der Aktion begeistert ist. Der Kreis schließt sich langsam und wir sind sicher: Nur noch ein Rahmenbruch oder schwerer Sturz wird uns stoppen können. Wir schaufeln erneut alles Essbare in uns hinein. Noch ein letztes Mal hinaus in Nacht, das große Ziel spürbar nahe. Die Bühne war frei für die letzte Etappe und zugleich große und tragische Dramen.
Bereits wenige Kilometer hinter Mortage registrieren wir Teilnehmer, die in Schlangenlinien auf dem Mittelstreifen fahren, total übermüdet versuchen sie dadurch auf Kurs zu bleiben. An leichten Steigungen rollen einige asiatische Fahrer einfach aus, bleiben stehen und kippen in den Graben, übermannt vom Schlaf. Sie stehen auch nicht auf, sie schlafen einfach weiter. Mitten auf der Straße steht ein Velomobil, das ja konstruktionsbedingt nicht umkippen kann. Der Fahrer ist eingenickt, er schreckt auf als wir ihn wecken und mitteilen: „Junge, schieb Dein Mobil von der Straße das ist lebensmüde“. Wir erleben totale Zersetzungserscheinungen, diese Fahrer müssen bei Tageslicht ALLES geben, um noch im Zeitlimit in Paris anzukommen. Mittlerweile sind wir wieder als Duo unterwegs. Simon registriert am Straßenrand eine kleine Person, die verzweifelt versucht aus einem tiefen Straßengrabern herauszukrabbeln aber immer wieder runterrutscht. Wir unterbrechen die Fahrt und schauen nach dem Rechten. Im Scheinwerferlicht sehen wir einen total unterkühlten und zitternden Mann Mitte 60, sichtlich zu leicht angezogen ( kurze Hose, kurzes Trikot), kreideweiß, Augen aufgerissen, das bei 8 Grad Außentemperatur. Der Mann brabbelt „Abondonée, je veux abadonée“. Ich übersetze Simon das Gestammel und ich beginne stoisch, den Erste Hilfe Lehrgang abzuspulen. Sofort eine Notfall-Aluminiumfolie ausgepackt, ihn beruhigt, eingepackt und ihm eine Ibuprofen 800 und eine Coffeinum 50 verabreicht. Langsam kommt „Jean-Claude“ auf die Beine und kann wieder logische Sätze formulieren. Tränen kullern über seine Wangen, er sei so froh, daß wir ihm helfen, seit 30 Minuten wartet er im Straßengraben, kein Radfahrer hat angehalten. Seine Nackenmuskulatur setzte die Arbeit aus und er ist einfach in den Graben gekippt. Er will jetzt nach Hause und nicht mehr Radfahren. Das kann ich nachvollziehen. Ich nehme mit dem Handy Kontakt mit der letzten Kontrolle auf, dann geht es sehr schnell. Rahmennummer durchgeben, etwaiger Standort, in 20 Minuten ist der Medical Service da. Jean-Claude drückt mich dankbar, ich fühle mich wie ein Soldat, der einen verwundeten Kameraden in der Schlacht zurückläßt. Er versichert uns, dass es jetzt wieder besser geht und er alleine auf den Medical Service wartet. Wir machen uns auf den Weg.
Wir erreichen nach gut 4 Stunden die letzte Kontrollstation Dreux. Es ist früher vormittag. Ich spreche bei den Offiziellen vor und schildere den Hergang, nach einigen Minuten werden wir gebeten, unsere Brevets vorzulegen und bekommen jeder für diese Geste 1 Stunde Zeit gutgeschrieben. Ein sehr fairer Zug. Wir stehen rund 65km vor Paris und haben noch 4 ½ Stunden Zeit. Das sollte erneut gelingen, und durch das kleine Zeitpolster gönnen wir uns erneut Kaffee und Croissants. Mittlerweile ist Wolle erneut vor Ort und spricht uns Mut zu. Erste Feierstimmung macht sich breit. Wir treffen an dieser Kontrolle bekannte Gesichter , etwas benommen torkelt dann auch Carsten ein, er sieht sehr schlecht aus. Zwar läuft mein geliehendes Hinterrad „wie ein Länderspiel gegen Äpypten“ aber sonst geht nichts. Anhand des Ganges erkennt das geschulte Langstreckenauge: Schritt ist „defekt“ und die Knie dick. Wir versorgen auch ihn mit der Mischung „Ibu 800+Coffeinum“ die er dankbar annimmt. Wir starten gemeinsam aber bereits nach wenigen Minuten kann er unser Tempo nicht halten. Ich will ihn ungerne zurücklassen, aber auch unsere Zeit drückt nun mittlerweile. „Kein Problem, ich bekomme das hin“…Klare Ansage, Herr Randonneur. Wir nehmen wieder Fahrt auf. Mittlerweile ist die Strecke topfeben und wir fahren in die aufgehende Sonne. Die Kilometer spulen wir zügig und ohne Hektik souverän ab. Einige kurze Rampen nötigen uns noch einmal die letzten Kräfte ab und dann steht plötzlich „Ziel 10km“. OK, 90min vor Sabbatt, das ist zu schaffen. In den Vororten von Versailles stoppen uns noch einige Ampeln aber ich erkenne bereits die Zieleinfahrt. Ich erkenne Lena wie sie mit Ihrem Rad Fahrt aufnimmt um die letzten 900 Meter gemeinsam zu rollen. Ich bin benommen vor Glück, dann Zieleinfahrt, Jubel brandet auf, Wolle und Sunna schwenken ein extra angefertigtes Banner für uns. Leider winken uns übereifrige Kontrollposten bereits in den abgesperrten Bereich, ich hätte sooo gerne noch eine oder zwei Ehrenrunden gedreht. Wir rollen in das Stadium, ein allerletztes Mal macht die Zeiterfassung „Piep“ und wir wissen…wir sind im Ziel.
Kaum vom Rad gestiegen umarmen uns Mitfahrer, die schon in Paris angekommen sind. Ich muß mich erst einmal setzen. Nach 15 Minuten betrete ich das große Auditorium. Mit etwas Wehmut überreiche ich mein komplett abgestempeltes Brevet. Nach Rücksprache mit allen Beteiligten entscheiden wir uns schnell zum Campingplatz zu fahren, um dort dann die richtige Finisher-Party steigen zu lassen. Beim Anblick meines Rades…nein, es geht nicht mehr. Sunna hilft mir aus der Patsche, wir verfrachten meine Kohlefaser in den Kofferraum und ich werde gefahren. Was für ein LUXUS. Am Campingplatz haben unsere grandiosen Soigneure bereits Quartier bezogen, es sind 24 Grad, ich lasse mich in den Campingsessel fallen, der Grill ist entzündet. Fleissige Handgriffe verwandeln unseren Stellplatz in einen feierlichen Saal. Ich raffe mich auf, um die letzten 48 Stunden vom Körper zu waschen, das Entfernen der Gesäßpflaster ist ein kurzfristiges Highlight was micht sofort hellwach macht. Aua…. Nach 10minuten heißer Dusche fühle ich mich neu geboren. Die Feier nimmt ihren Lauf, immer mehr Randonneure stoßen hinzu. Nach einer guten Flasche Wein sehe ich mich bemüßigt für mein „Idol“ Uwe in die Saiten zu greifen und meine Gitarre nun sprechen zu lassen. Der Abend endet wie PBP…haarscharf am Abgrund aber mit vollem Bewußtsein in den Orkan.
Im Nachgang…
bewertet wirft unsere Variante „PBP mit Support“ bei „Hardcore“ Randonneuren ein großes Fragezeichen auf. Externe Hilfe und Verpflegung gehöre nicht zur Etikette. Mein Respekt vor diesen Startern ist groß. Zugleich bin ich eine streitbare Person, die gerne Dinge kritisch hinterfragt. Es muß wohl zum Mythos gehören, total übermüdet sich durch die Gegend zu kämpfen und Aksese zu betreiben. Ich erkenne an den unzähligen gefährlichen Momenten, die ich auf der Strecke selber erlebt habe einen gewissen Zusammenhang mit diesem Standpunkt. Weiter kommentieren möchte ich diesen nicht. PBP hat ein sehr dezidiertes Regelwerk und diese Variante ist nicht verboten, die hunderte an Wohnmobilen sind Beleg dafür.
Ich bin glücklich an PBP 2011 teilgenommen zu haben, meinen Enkeln werde ich von der Woche in Frankreich erzählen. 2015 nehme ich erneut teil, dann in der „klassischen“ Variante. Dann habe ich einen direkten Vergleich. Ich danke meiner Familie, die auf viel verzichtet hat und meinem Freund Simon, den ich auf 1230km sehr geschätzt habe. Ohne ihn hätte ich das Ziel NICHT gesehen. Danke, Simon. Nicht zu vergessen der zahlreiche Support in der Vorbereitung und während des Rennens. Danke Wolle, Danke Achim. Dank Euch Allen.


Als Dank für Eure großartige Unterstützung, hier noch einmal in gesammelter Form:

Uwe Krohne - der uns überhaupt an das großartige Langstreckenfahren herangeführt hat
Mike Lorenz - der uns in mehreren Sitzungen das Rad und die Sitzposition eingestellt hat
Lewis Pless - ohne ihn wäre ich nie zum Radsport gekommen, schade das er heute nicht mehr aktiv daran teilhaben kann, aber er bleibt unser Leader.
Wolle - ein großartiger Freund, der mit seiner Frau den Weg nach Montagne aufgenommen hat, nur um uns mentale Unterstützung zu geben
Uwe Otto - der mich in wenigen, effektiven Sitzungen für diese Herausforderungen eingestellt hat
Lena - die großartige Frau, die unser Wohnmobil souverän gelenkt hat und immer kühlen Kopf bewahrt hat.
Timon - der Mann an Ihrer Seite, immer im Sinne des Projekts und ohne Vorbehalte, ganz Mann - wie die Riders.
Achim Linßer - Hat uns mental und mit PowerBar unterstützt. Ist vor allen Dingen aber der Entdecker der Ilon Protect Salbe.






Montag, 5. September 2011

Some thoughts on Paris-Brest Paris….



Prologue
In august 2011, the 17th edition of Paris-Brest-Paris took place in the heart of the i´lle de France. PBP is the most traditional and one of the toughest long distance cycling events in the world. There are certainly a lot of other competetive rides as the508.com, RAAM or London-Edingburgh-London but none of those got that history. According to various circumstances, PBP can only be done in a 4 year term, so maybe you can find some parallels to the olympic period.
Getting along with PBP may focus on different aims, but one aim is the most striking one: You got 90 hours to solve a 1230km lasting task.
What are the obligations entering or applying for PBP: Easy to say: Finish 4 rides in a row the same year, 200-300-400-600K. Believe me it´s not only mandantory to do this, it´s essential and necessary in order to prepare well for the race. Once done, the results are given to the French Audax Club and some weeks later, around July you get the message “yes you are in the game”
Within the last 120 years several tales, myths and myricals have taken place on the dusty roads in western France, far too many to name all of them. A one week lasting battle in the rain or even tropic temperatures are some of them, so to make a long story short: Weather is always an issue riding PBP, adding 10.500 vertical meters, rough roads and winds from the west or from the east and voilá you got that tempting recipe that makes this week that legendary. Ah yes, forgotten that average hours of sleeping pending between 30 minutes and 2 hours per day (!) in order cope with it in time.
Let´s turn to personal views. Simon and Jan, two german riders in their late-thirties and mid-fourties quit normal cycling. Once this step is done, PBP is one of the very few things on the planet remaining to make a life long experience. The essential preparation on their PBP race took about 15 month, always wandering on the edge of time budgets concerning work, family, sports.   
Getting down there
Many roads are leading to Paris, our choice led us to a motor home and invite some lovely people to support us on this journey. All things were running smooth and it took about 7 hours to drive that “mobile monster” from the heart of germany straight to Paris. Tough the size was really huge, 200HP made travelling far easy on the motorway.
You can choose different varieties staying in Paris during the PBP week. One of the most vivid one is the Huttopia Camping Ground, located only 10k away from the exhibition center. This superb area is a melting pot of several nations starting at PBP, also those guys offer furnished appartmens, wooden wagons or simple camping ground for a good price. Ah yes, not forgotten to mention: Superb handmade Pizza, ideal meal for long distance journey.
Most riders were already wearing their national jersey´s for the PBP event. Within seconds you get addicted to this unique atmosphere, I got in contact with some crazy spanish guys. Instead of having a Big Pizza they turn themselves to “homemade spanish” paella. I was invited very soon and if you really try to communication international everyone pays you back at PBP. In order to make friendship we decided to change national jersey after finishing PBP.


Important to mention…
In order to get on the road, we have chosen carbon-built bikes, I rode my Scott Addict, fitted with Mavic Wheels, Shimano Dura Ace and a power meter in order to control my power on the road. Simon used similar gear. On paperworks, PBP looks flat, but believe me, 10.000 plus vertical meters is leading straight to a setup paying attention to this.
More than on the gear we focused our preparation on the riding strategy of german long distance godfather Dr. Michael Nehls. This guy finished the RAAM twice. He is known as the rider who slept most of all riders and still smiling after 2.500 miles. He strongly recommends a period of rest in order to recover your body and brain. It´s something that should be adopted by more riders who are keen on all the (ultra) long distance fuss.
As one of randonneur´s habits you should also take care to arrange flat tyres, broken chains or other damages by yourself. So add 3-4 spare tubes, 1x chain and some kind of multi-tool as well. Pay attention to all that could occur and you are well prepared. Don´t forget rain jerseys and good gloves, keep in mind that each little problem can sum up to a huge catastrophy in the end.    
We rode straight to the official commission in Guyancourt by Saturday 4 p.m, each bike has to be shown to a technical survey, if something is not meeting the real basic standards as working lights and brakes they put you back in the chain in order to improve. These officials do a good job and everybody should be thankful that security on the road is a striking issue.
PBP is a worldwide event, getting more than 50 nations together. All german riders, a group of 450 people met for a memory foto picture. Incredible! It´s hard to evaluate these moments best but suddenly one elder guy jumped on the stage and announced himself aged around 80. He get on the microphone and started as this:
·       There are people riding 5000K on some events, you only do 1200K, so cheers on us!
·       You join a breathtaking event based on friendship regardless of colour or nation, so cheers on us!
·       You keep the fire alive and carry on tradition and heritage of over 100 years, so cheers on us!
·       Now we are here in Paris, let´s get on the road to Brest and back to Paris, so cheers on us  
Let´s turn back to Huttopia´s camping ground. After getting registered that smooth and quick we turned to another issue of randonneurs live: Always take care for enough food to eat! I decided to start with 2 pizzas and some perfect french baguettes. Fresh bread, cheese, jam…is really tasty! Ah yes, not forget to mention one or better two glasses of red wine in order to make you kidney working proper. Save the bottles and get back to that four days later!
Meanwhile temperatures were leading towards 32 degrees. We have studied weather forecast and were more than pleased that storms and rain has been announced 48h later.
After final checkup with the bikes we rode the remaining 10K back to the start. We arrived at 3 p.m. on Sunday. At 4 p.m. the first wave of riders were released on the road, facing their aim for being back in Paris only 80hours later. This group contains approx. 600 riders.
Our starting time was set on 6pm. This large group of 3500 riders got 90 hours time for the task. All riders were put together skin by skin in the stadium and it took about 3 hours to get all of them on the road. We were touching the electronic time registration barrier at 7.15 pm, guided with thousands of people and “bon route”, “bon courage” were only few of the paroles shouted towards the riders.



Finally on the road…
PBP is not a common or typical bike race. Some of the strong riders who race the distance faster than 45h are scheduled all with the same time. The French tradition is far more based that a “brevet” is a mind´s and bodie´s test and everyone is a winner who solves this one successfully.
After being guided by several police motorbikes the real brevet started after 10k riding. Due to the tradition the crowd slowly but constantly was accelerating and a big peloton cruising together was heading to the west.
Many riders rely on their speed and pulsrate for such a ride, as we did some serious investigations during our preparation we decided to use powermeters to see what real power we were producing. In January 2011 we joined a workshop and measured that I am able to cruise with 160W average and 190W done by simon still burning fat reserves and not getting exhausted after some hours. This average power may look poor at first glance but on the other hand we need to deliver this power for at least 75 hours non stop.
Within the huge peloton, we managed the first 100K quite fast. Whilst riding in the group it´s easy to get the question for answering why PBP is international: If you are willing to learn some basics in french, spain and english, it takes only minutes to get along with guys from all over the world. This is, to my point of view, the most exciting and unique experience: Let´s do it together and have a fine time, regardless of nation, skin´s color or anything else.
As you must ride by night, spend some money on real working light systems! Most of the riders did so and in the first evening we found ourselves in a giant illuminated snake, lenth of 30k to the horizon, what a breathtaking view, I have seen such thing already 2009 in Sweden at the famous “Vaetternrundan” but this one…it´s hard to compare!
With 28.4k average per hour we arrived at the first stop at Mortagne au perche, 140K westwards of Paris. Difficult to count all those randonneurs at this stop, but I think 1000 riders in one hall from all over the world. Let´s not forget to pay attention to all these volunteers and helping hands from the French cycling clubs. I´d been to many cycling events but on the quality scale, it´s really hard to beat PBP.
After a one hour rest we continued our journey to the west, heading towards Villaines, the first time control on the route. We decided to meet our support people and have a real dinner, but that’s at 5 a.m. in the morning! Never ever forget to eat and drink enough. We have spotted dozens of riders who were fighting a bonk on the route, and once the bonk occurs its impossible to regain old strength and power.
Facing towards Tinteniac…
Oki-Doki. Done approx 220K, let´s go for anthother 140K in a row to get along towards Tinteniac. Our basic strategy for the PBP: 4-5 hours riding, stop 1h for eating and drinking, 2-3hours sleep overall per day. As we did not sleep the first night, we were lucky to get some coffee and crepes by one of those hundreds of supporters guiding you on the road. Please get along with this tradition, can´t describe the feeling receiving a pot of steaming strong coffee from a stranger and listening…”bon courage”.
Another issue on PBP: Take care of what you are wearing on the bike and choose the saddle carefully. Many riders were wearing ASSOS trousers ( swiss clothing company) on the bike, obviously another randonneur´s choice for the road. Do not underestimate the salt of your sweat that turns to micro small crystals rubbing into your skin. You may manage to get along with this on a 200K or 300K journey, but PBP has got 1230K distance.
I was struggeling with these problems for several hundreds of kilometers. There are dozens of riders who quit the race because they can not sit any longer on their bike. Do not hesitate contacting the medical service, I did so and they manage to get me in condition to carry on. To be honest, gentleman…you train for years in order to manage PBP so you should have no worries to undress in front our female medical service. Believe me!
We reached Villaines late afternoon and after countless hours in the saddle we remember our own strategy. Let´s eat and have a rest. So we did. I have spotted the weather forecast on my I-Phone and  no good new to be announced. Heavy storm in front of us, 4-5 hours rain.
Set fire to the rain…facing Carhaix
Next Issue of PBP: Take care of the weather with its huge variety of rain and sunshine. In the 2007 edition, the bad weather forced many riders to quit, in the end nearly 30% did not finish. Understood all? OK, if you got that rain suit in your rucksack, do not hesitate using it in case it starts raining. Don´t waste too many thoughts ON the rain, imagine that thousands of riders are facing same circumstances.
Another issue on PBP: Take care of alliance and friendship on the road. It´s more than common sense that a Japanese randonneur will regard you as a godfather of randonneuring if you help him out changing flat tyres.
Some hours later we found ourselves in a group of approx. 10 riders in the middle of nowhere, facing heavy rain 30liters per square meter. In order to face our time table for the final finish we have chosen Carhaix as our first stop for a 2hours sleep. Unfortunately Carhaix is still 2 hours aways, but the japanese guys remembers you. Believe me, you will call HIM godfather of randonneuring whilst your own lighting system refused working and it´s 2 am in the morning. You got two choices…you can stop and ring the bell on the lonely and dark Normandy houses door or you take a light system from this guy, offering it. So…to make a long story short again: You always get what you give.
Let´s face Brest!
Tough I struggled hard not to be too much tempted on cursing the weather and I was very delighted that my friend Simon helped me through these difficult hours. We arrived at Carhaix by tuesday 3 a.m. and we lost a lot of substance in the last hours. So we decided to have a 4 hours rest, which was divided into 3 hours sleep und 1 hour eating. It took only seconds to fall asleep and I was again more than pleased waking up the next morning: No rain, well some clouds but worth to be mentioned. I checked again on my mobile phone what is getting next. Some rainy showers but mostly dry throughout the next 48h.
Well 48h! That sounded quite perspective so we get ourselves back on the track towards west, heading to Brest. The more you approach Brest, the crazier all the spectators turn in those small villages in western france. I have never seen such hospitality before. That final stage from Carhaix to Brest is approx. 80K but you need to climb another 900 vertical meters. On the Roc Trezevel, the peak summit of the track you see the beautiful landscape, Brest is just a 1h ride away. We were crossing the chanel bridge and you got 615K in total done. It took us about 35hours to get to Brest and we were very excited to receive another stamp in our brevets. Now, the tide turns and you can spot “Paris” instead of “Brest” on those thousands of track marks being placed on the side of the road.
We left Brest, but had another good meal for €12.00 per person. Meanwhile the road was completely dry and in the afternoon it was again a pleasure riding in fast groups. Some pain in my knee and in the leg forced me taking some drugs and I have taken a Ibuprufen in order to cope with the pain. I added a coffeinum not to fell asleep on the bike. So another Issue on PBP: The medical service on the track is excellent! But at least it´s a 4-5 hours ride away. So you better included some basic drugs and medicine in your package!
You always get what you give and you give what you got…
Back in Carhaix we met another randonneur out of the german equipe. Carsten had slept only 2hours in total and he was in bad shape and driven very pessimistic. He was complaining about his gear and he was riding with broken spoke since 200K in total. Fortunately I had another spare wheel with a fitting gear, so I gave him my own reserve wheel. My own one was in such good substance that I had no use for it any more. But now there is one guy face to face who desperately needs one. Each Randonneur is a muscateer, it was a pleasure for me to help him that bad luck on the track turns into good luck in the end.
Meanwhile more and more riders were forced to pay their own tribute to tireness, weakness and other topics. The more you turn east, the more riders you face beside the road, sleeping completely dressed up in the green gras. Simon took lead and we were happy to approach some small villages after riding for hours in the darkness. I have read some articles concerning haluzinations in the brain on these ultra distances and now we found something real on the road. Can´t remember the villages name but we stopped. We were facing a marocan randonneur, dancing on the streets, singing Arabic songs and clapping his hands. His eyes were wide open, spit running out his mouth. After this performance I had a word with this guy. I persuaded him to carry on dancing and singing but not ON the road but on the pavement. So he did, he was cheerful, but we never met him again.
That guy was lucky, because he had some time to get off the bike. Don´t worry if you spot people who have NOT enough time to get off the bike…we met dozens of far-east randonneurs riding in front of us. Those guys were getting slower and slower and than they fell off with their bikes. They don´t get up, they continued sleeping in the grass.
Another Issue on PBP: Take care of yourself. Do not underestimate how fast sleep can catch you after riding 60hours with few or without sleep. It´s far better to have a 1hour break with some naps of sleep instead of using the wrong side of the road because you are too tired to ride on the right side of the wrong. It´s hard to say, but one guy from US was killed because he collided with a car on the wrong side of the road.
1000km and still going on…
I decided to join the medical service at Villaines to take care of my back and all these areas that you won´t show other people by free choice. The medical service helped me getting to Paris by bike. After medical treatment I regained a lot of physical and mental strength. We had another good coffee and far better croissants and continued our journey heading towards Mortagne au Perche.
On the road I paid some attention to my cycling computer device. For ultra long distance do not show the complete milage permanently, that is leading straight into suicidal tendencies, it´s far better to look on it counting 998.5 K….some minutes later, another inspiring and motivating moment gets along: 1000K by bike. It´s sometimes hard to drive 1000K by car, but doing 1000K by bike… do not waste any time on any logical explain for someone about this, you can´t explain.  
Similar to Carhaix on the way to Brest we have spotted Mortagne au perche as another “initial stop” only 220k away from Paris. We arrived by 1.am and agreed on a two hours rest. I was nervously being awaked by one of our friends. “Special guest”. WTF…Who the fuck, please pardon my curse but the only thing you want to do is sleeping and not being interrupted by a strange randonneur asking for a ride. But this was no Randonneur, my friend Wolfram and his wife decided to drive 800k by car just to serve a steaming cup of coffee at 3 in the morning somewhere in France. I struggled myself not to loose contenance, I was that overwhelmed. This is what the boy´s separates from the men. Meanwhile Simon woke up and was also very delighted about this crazy idea as well.  
After another 2000 calory breakfast we were more than willing to go for the last stage. Let´s do it and let´s go for Paris. We left Mortage by early morning, still some hours in meditational riding in the darkness. Not forgotten to mention that we helped a 60 years aged french guy who crashed on the road in the area of dreux . Jean Claude was another friend we met on the road. Tears of joy streamed down his face after we gave im medical first aid and we were the guys helping him to fulfill his own dream, obviously the same as ours…finshining PBP!
Some hours later we were honoured by the officials who have taken notice from this incident. Both Simon and I received a 1h bonification. Well done guys from the official committee.
At Dreux, the final controll we had another break, it became more and more obvious that we will finish this one here in time. So why not spending time at one of these controll stations and getting in touch with world wide randonneuers? Far more tempting to us to do so instead of anything else.
We left Dreux at 9 am and got some final 60K in front of us. Fortunately the weather was getting better the more we head to the east. We joined a female rider, riding the whole brevet with a genuine bike out the 1930 s of last century. Another amazing experience.
Another issue on PBP: If you ride the last 200k with common sense these were the miles you enjoy most. But: during the journey you should never think about a 1200k brevet, try to do it piece by piece. If take that advice you deeply regret on the last miles that the journey ends.
Our journey ends spotting our lovely friend Lena, about 1K before the finish. She jumped on her bike in order to company us on the very last stage. Thanks my darling to do so. As similar to the frenchman some hours ago, tears of joy streamed down my face and I fell on my knee after the final time registration. It took me about 15 minutes just to realize what happened in the last 88hours. We did PBP.
We handled our our complete brevets to the officials. The journey is over. Let´s face the music and dance. I was not able to ride any more meters so I luckily caught a ride by car. We went back to Huttopia Camping ground. All was prepared, the barby´s fire burning we arrange some bottles of red wine to make the picture complete. Only minutes later, the international party continues off the road. Although I was really tired the atmosphere kept me awake, celebrating the final stage with our friends.
A tune you get only once…
In a lifetime? Yes it is. I have been interviewed a couple of days after the event: I try to make another long story short:
I was forced to give a serious statement on this week in France
Was PBP meeting your expectations and were all these preparation worth doing it?
“It was the best thing I ever did in my life”.
What do you regret?
“I have to wait 4 year for the next turn.”

Samstag, 18. Juni 2011

Die Serie (200, 300, 400, 600km) ist geschafft - und wie geht es weiter?

Als im Herbst letzten Jahres, Jan mit dem Gedanken Paris-Brest-Paris zu fahren, war ich sehr zögerlich mit einer Zusage. Wir waren zusammen 300km Vättern gefahren und ich konnte mich noch zu gut daran erinnern wie groggy und kaputt ich danach war. Sein Argument, PBP ist aber nur alle 4 Jahre und wie möglicherweise unser Lebensumfeld dann wäre, war nicht von der Hand zu weisen. Ich fühlte mich allerdings noch nicht reif für eine solche Herausforderung, noch nicht genügend Training, nochmal 300km, nach einer Distanz wie Vättern, nein, das schaffe ich nicht. Im Herbst Urlaub, in Kalabrien lese ich dann das Buch " Vom Couchpotatoe zum Ironman" und fühle mich unglaublich motiviert. Wenn 4 unsportliche Personen es schaffen in 8 Monaten zum Ironman, dann kann ich auch PBP. Ich einer SMS am Strand sage ich zu. Wer mich kennt weiß, wenn ich was sage dann ziehe ich auch durch. Meine Hauptsorge, war die Vorbereitung. Wie soll ich neben Kinder, Familie, Firma etc. die Zeit aufbringen für das Training einer 1200km Distanz?

Zugesagt ist Zugesagt - ich vereinbare mit meiner Frau einen detaillierten Plan bis Juli. Brevets, Trainingslager, Geschäftstermine, Kinder, Urlaub und Ausfahrten bis ins letzte vororganisiert.

Der Plan steht.

Bereits im November geht es stramm los. Der Winterpokal im Internet gibt sein zusätzliches, bis zu 4x die Woche ist Training angesagt. Spinning, Schwimmen, Funktionsgymnastik, ab und zu Laufen.

Bis März sind bereits 2500km auf der Uhr. Ich fühle mich fit und der erste Test geht los.

Ich will hier gar nicht auf die einzelnen Brevets eingehen, die kann man separat lesen, sondern ein Resümee ziehen.

Am Anfang dachte ich, wozu diese Qualifikationen?

Inzwischen, weiss ich, um eine Langstrecke wie PBP 1200km zu machen, muss vieles getestet und ausprobiert sein. Es gilt Erfahrung mit der Ausrüstung, mit der eigenen Einstellung, mit der Ernährung, mit der Kleidung zu sammeln. Bei jedem Brevet (Prüfung) habe ich dazu gelernt, denn eins ist inzwischen klar - bei den Langstrecken darf man nach Möglichkeiten kein Fehler machen, denn sie kumulieren sich auf. Bei jedem Rennen ist nach 2 Stunden alles vorbei, bei der Langstrecke kumuliert es sich auf und führt zu DNF. Ausrüstung, Ernährung, Rad, etc. es wird sich nichts kompensieren, sondern schaukelt sich auf. Jeder der genannten Brevets hat zu einem Lernen geführt und war wichtig, um jetzt den 600er zu machen.

Wenn mir nach dem 200er jemand gesagt hätte, ich muss jetzt nochmal 200 fahren hätte ich abgewunken und jetzt nach dem 600er soll ich nochmal 600 fahren, es gilt dasselbe. Geht nicht. Aber ich darf nicht darüber nachdenken, es ist zu viel.

Aber wie es Uwe Krohne gesagt hat, wenn du 200 gefahren bist, kannst du auch 300 fahren, wenn du 300 gefahren bist, kannst du 400 fahren und wenn du 400 gefahren bist, kannst du auch 600 fahren und so war es auch.

So nun sind wir 600 in 38 Stunden gefahren - und es ging, und nun kommt PBP 1200km. Nochmal soviel.

Wie machen wir das, weil eigentlich waren wir am Ende....

Meine Überlegungen:

Was gilt es zu optimieren, die Ausrüstung sieht gut aus und hat funktioniert, ob es Licht ist, Taschen, Navigation, Kleidung etc. Von meiner Seite her alles gut.

Mein Ansatz geht zunehmend, auch aus der Lehre von Dr. Nehls, eine 300er Strategie zu fahren. Das heisst alle 300 km eine angemessene Pause. Die Frage ist wie regeneriert man in der entsprechenden Zeit so gut wie möglich.

Bei den Brevets war es bisher so, man hat gegessen was man bekommen hat und das muss bei PBP anders sein.

Wie regeneriere ich optimal, um weitere 300km zu fahren? Ernährung, Schlafen etc.

Hier werden wir die nächsten Wochen viel Anleihen bei Nehls nehmen, um unsere Strategie zu entwickeln.

Inzwischen ist unsere Anmeldung auch voran geschritten, ist in Frankreich alles anders als hier in Deutschland, aber so wie es aussieht sollte es soweit stehen.

Die nächsten Wochen werden dadurch bestimmt werden jetzt die Finale Planung zu fixen, die Strategie zu bestimmen. Vom Training ist jetzt nichts mehr grossartig notwendig, denn inzwischen verstehe ich Uwe Krohne, hier geht es nicht darum, den letzten km an Training rausgeholt zu haben, sondern das groh findet im Kopf statt.
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